Save the Park-Stellungnahme

Stellungnahme zum Bebauungsplan „Kindertagesstätte an der Gerhart-Hauptmann-Straße“ Hessheim

Wir wollen unseren Park in Hessheim (die Grünfläche zwischen der Gerhart-Hauptmann-Strasse und dem Friedhof) in unveränderter Form und weiterhin komplett zugänglich für die Öffentlichkeit erhalten! Der Park hat einen fast 40 Jahre alten Baumbestand und bietet Lebensraum für etliche Tiere. Er erfüllt zudem viele wichtige Funktionen für die Umwelt und die Gesundheit der Anwohner.

Die Gemeinde möchte die Fläche nutzen, um eine Kita-„Maximallösung“ darauf zu bauen, obwohl es andere adäquate Standortmöglichkeiten gibt, die deutlich besser geeignet sind! Bislang war die Rede von 100-120 Kita-Plätzen. Nun wird zudem überlegt, noch zusätzlich Kinder aus der Kita in der Friedhofstrasse in die Gerhart-Hauptmann-Strasse zu verlagern. Außerdem sind für die neue Kita Erweiterungsmöglichkeiten vorgesehen. Bäume müssen dafür gerodet und Flächen versiegelt werden. Der Verlust des Parks ist ein großer Schaden für die Natur, die Tiere, Pflanzen, das Mikroklima, die Luftqualität, den Wasserhaushalt und das Klima und nicht zuletzt für die Bürger. Die Parkanlage steht dann Anwohnern zur Erholung oder für Kinder zum Spielen nicht mehr zur Verfügung. Die dort angrenzenden Parkplätze sind für die Bürger nicht mehr nutzbar. Auch wird den Anwohnern der noch letzte bleibende Ausgleich zu den Schadstoffbelastungen der Deponie, des Sonderabfallzwischenlagers und der angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen genommen! Stattdessen steigern die zusätzlichen täglichen An- und Abfahrten der Eltern und Mitarbeiter weiter das Verkehrsaufkommen und die Luft- und Lärmbelastung. Dies würde zu einer unverhältnismäßigen Belastung der Anwohner der Gerhart-Hauptmann-Strasse führen.

Das Vorhaben wurde nun im Bebauungsplan „Kindertagesstätte an der Gerhart-Hauptmann-Straße“ am 16.4.2021 mit dem Amtsblatt veröffentlicht. Hiermit geben wir (der Initiator sowie alle Unterzeichner) unsere Stellungnahme dazu ab. Stellungnahmen können bis zum 19.5.2021 bei der Gemeinde eingereicht werden.

Wir möchten daher, dass der Park nicht für den Kitabau genutzt wird und wie es auch der NABU fordert, ein anderer Standort für den Kitabau gewählt wird! Die Grünfläche soll vollständig und unverändert bestehen bleiben!

Die Standortwahl ist nicht nachvollziehbar. Die Standortwahl ignoriert die Funktionen, die der Park in so wertvoller Art und Weise für uns erfüllt! Das Vorhaben würde heißen: kostbare, immer selten werdende alte Bäume und Grünfläche unnötigerweise zu zerstören und gleichzeitig die Belastungen für Natur und Bürger dort immer mehr zu erhöhen! Manche Standorte aus der Variantenprüfung wurden gar nicht abschließend geprüft. Es ist nicht verständlich, warum die gleichen Argumente in einem Fall für einen Standort und im anderen gegen einen anderen Standort sprechen können!

Warum der Erhalt und nachhaltige Schutz des Parks in unveränderter Form unerlässlich ist:

Der Park an der Gerhart-Hauptmann-Strasse ist über Jahrzehnte gewachsen und ein funktionierendes Ökosystem. Die Parkanlage ist Lebensraum für eine große Vielfalt von Pflanzen und Tieren! Sie beherbergt unter anderem einen 30- 40 Jahre alten wunderschönen Baumbestand u.a. mit großen Kastanien- und Lindenbäumen, Büschen und Wiesen, die wichtige Nahrungsquellen und Lebensraum für diverse Vogelarten, Fledermäuse sowie Nutzinsekten sind. Auch Eichelhäher und Eulen wurden durch die Anwohner schon gesichtet und dokumentiert. Weitere Tierarten nutzen den Park zur Futtersuche.

Gerade in Zeiten des Klimawandels und Artensterbens inklusive Bienen-/Insektensterbens sind derartige Flächen essentiell und müssen nachhaltig geschützt werden! Die Gemeinde selbst fordert Ihre Bürger auf, Flächenversiegelungen zu vermeiden und Vorgärten wieder naturnah zu gestalten und schreibt im eigenen Flyer „lebendig und grün“: „In Zeiten des Klimawandels wird das Mikroklima in Kommunen immer wichtiger“… „Auch in unserer Verbandsgemeinde wird es zukünftig immer mehr heiße Tage und mehr Starkregenereignisse geben. Durch das Anlegen eines naturnahen Gartens können Sie viel bewirken. Für sich. Und auch für die Gemeinschaft.“, „bepflanzter Boden, welcher nicht durch Folie, Platten, Kies und Schotter bedeckt ist, speichert Regenwasser. Dies wird wiederum über die Pflanzen verdunstet. Es kommt zu einem klimatischen Ausgleich und das heißt bessere Luft und eine angenehme Kühle im Sommer“. „Zudem ist ein natürlich bewachsener Boden nicht nur ein Paradies für Insekten und Vögel, sondern schützt Ihr Haus vor Überschwemmungen.“ Bei Versiegelung aber „finden Tiere keine Nahrung. Wasser kann nicht versickern.“ Jedoch will die Gemeinde in der bestehenden kostbaren Parkanlage genau diese Versiegelung mit all Ihren Nachteilen für Natur und Anwohner vornehmen!

Die Parkanlage mit Ihren Bäumen und Grünflächen ist essentiell für das innerörtliche Mikroklima! Sie stellt eine Kaltluftschneise in der Siedlung dar, filtert Schadstoffe aus der Luft, wandelt CO2 in Sauerstoff um und trägt maßgeblich zur Luftqualität und den Klimaschutz bei. Gerade an der Gerhart-Hauptmann-Strasse ist das Vorhandensein der Parkanlage für die Umwelt und auch die Gesundheit und das Wohlbefinden der Anwohner unverzichtbar! Eine Rodung von Bäumen und Büschen und das Vernichten der ausgleichenden, luftreinigenden Klimawirkung wären fatal. Denn die Strasse wird bereits durch die nur 1,1 km entfernten Deponie, das Sonderabfallzwischenlager und die angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen überproportional hohen Immissionen ausgesetzt! Anwohner leiden bereits unter den hohen Schadstoff-, Feinstaubbelastungen sowie Geruchsbelästigungen der Deponie und des Sonderabfallzwischenlagers, die bereits bei regulärem Betrieb der Anlagen entstehen. Weitere Schadstoffbelastungen aufgrund von Zwischenfällen treten zudem immer wieder auf und gefährden die Umwelt sowie die Gesundheit der Anwohner. Pestizide / Insektizide und Stäube der angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen kommen hinzu. Auch Ersatzpflanzungen von kleinen Baumsetzlingen der Gemeinde an anderer Stelle würden das nicht kompensieren. Die Gemeinde ignoriert diese Belastungen in Ihrer Standortprüfung jedoch komplett! Die Grünfläche muss als Ausgleich für die Natur und die Gesundheit und das Wohlbefinden der Anwohner in der Gerhart-Hauptmann-Straße und Umgebung unbedingt bestehen bleiben!

Auch die Verkehrsbelastung ist hier anzuführen. Durch den Neubau der Anna-Seghers-Strasse ist das Verkehrsaufkommen gestiegen. Bei der Zufahrt durch die Gerolsheimerstraße in die Gerhart-Hauptmann-Strasse ist ein fließender Verkehr schon jetzt nicht mehr gewährleistet, weil oft alles zugeparkt ist. Sobald das Neubaugebiet Süd-West gebaut ist, wird die Gerhart-Hauptmann-Strasse, die ursprünglich als Wohnstrasse angelegt wurde, sogar als Durchfahrtsstrasse „missbraucht“ werden. Der zusätzliche Bau der Kita in der Gerhart-Hauptmann-Strasse würde mit den zusätzlichen, täglichen An- und Abfahrten der Eltern und Mitarbeiter das Verkehrsaufkommen und die Luft- und Lärmbelastung auf ein inakzeptables Maß erhöhen. Aufgrund des bereits jetzt schon bestehenden Parkplatzmangels und der von der Gemeinde vorgesehenen Einverleibung der an den Park grenzenden (und von den Anwohnern finanzierten) Parkplätzen ist das Verkehrschaos vorprogrammiert. Diese Belastungen werden in der Standortprüfung nicht berücksichtigt! Bei der Bewertung der anderen Standorte wird von der Gemeinde das Verkehrsaufkommen jedoch als Hinderungsgrund bewertet.

Das Plangebiet befindet sich innerhalb eines Bereiches mit erhöhtem Radonpotential. Es ist unklar, ob die Konzentration für die Kinder in dem vorgesehenen Kitagebäude das gesunde Maß übersteigt. Ggfs. bergen die Bauarbeiten zudem noch das Risiko, verstärkt Radongase aus dem Boden freizusetzen. Konkrete Messungen – wie vom Landesamt für Geologie und Bergbau unbedingt empfohlen – wurden bislang wohl noch nicht gemacht.

Freizeit- und Erholungswert der Fläche

Die Parkanlage ist mit seiner sehr großen, zusammenhängenden Fläche ein „innerörtliches Erholungsgebiet“ und der einzige Park mit altem Baumbestand im Wohngebiet West. Der Park ist eine Oase in dem ansonsten zugebauten Wohngebiet. Der Park wird von allen Generationen genutzt und geschätzt. Anwohner suchen die Grünfläche zum Spazierengehen, Erholen, Verweilen und Spielen auf. Gerade auch in den immer heißer werdenden Sommern bietet der Park Schatten und spendet frische und kühle Luft. Kinder und auch ältere Menschen, die keine weiten Wege zurücklegen können oder sollen, nutzen die Parkanlage gerne und oft. Es gibt in unmittelbarer Nähe sonst keine adäquate Spielfläche. Im Park an der Friedhofstraße ist das Spielen verboten und der Generationenpark ist zu weit entfernt, als dass man kleinere Kinder dort hinschicken könnte. Seit dem Bau des Neubaugebiets in der Anna-Seghers-Strasse ist die Nutzung und Beliebtheit des Parks weiter gestiegen. Der Erholungswert wird von der Gemeinde in der Bewertung jedoch komplett abgetan.

Langfristige und nachhaltige Planung, Gesundheit der Kinder

Die Standortwahl und Planung der Kita in der Gerhart-Hauptmann-Strasse ist kein Beispiel für Nachhaltigkeit und langfristigen Planung. Sie schädigt die Natur und die Anwohner anstatt wertvolle und sinnvolle städtebauliche Synergien und Vorteile zum Wohle aller zu nutzen! Warum werden nicht bereits versiegelte Flächen mit besserer Verkehrsanbindung genutzt? Oder die Plätze dort aufgebaut, wo auch der Bedarf ist (im neuen Neubaugebiet) und somit eine optimale Erreichbarkeit ohne großes Verkehrsaufkommen gegeben ist? Warum wird nicht auf Synergien zum Vorteil der Ortsentwicklung geachtet (z.B. beim Gewerbegebiet)? Warum wird nicht die Nähe zur Deponie und zum Sonderabfallzwischenlagers bei der Standortwahl berücksichtigt? Von dort geht schon beim regulären Betrieb der Anlagen eine starke Immissionsbelastung aus. Zudem kamen die Anlagen in den letzten Jahren auch wegen diverser unkontrollierter, teils tödlicher Unfälle, Deponiegase, Ablagerungen auf Feldfrüchten in die Schlagzeilen. Im September kam es zuletzt zu einem Großbrand in einer Lagerhalle. Noch heute wird das Fehlen von Brandmelde- und Sprinkleranlagen und eines Gefahrenabwehrplans bemängelt. Sollte wirklich in unmittelbarer Nähe zu diesen – auch störanfälligen Sonderabfallanlagen, eine Kita gebaut werden? Es wäre doch sinnvoller für die Sicherheit der Kinder, die Kita weiter entfernt von der Deponie zu bauen. 

Gerechtigkeit für die Bürger

In der momentanen Ortsplanung ist ein sehr starkes Belastungs-Ungleichgewicht für die Anwohner gegeben. In der Variantenprüfung wird sehr viel Elan für den Schutz der Attraktivität anderer Wohngebiete an den Tag gelegt. Der Wegfall von Erholungsmöglichkeiten und das steigende Verkehrsaufkommen werden dort sehr wohl als Negativfaktoren gewertet und sollen dort vermieden werden. Für den Park in der Gerhart-Hauptmann-Strasse und für die anliegenden Anwohner gilt dieser Schutz nicht. Man nimmt die überproportionale Belastung für die Anwohner Gehart-Hauptmann-Str. / Anna-Seghers- Str. / Goethestraße und den Verlust der Attraktivität des Wohngebiets billigend in Kauf. Möchte man das Neubaugebiet Südwest so attraktiv wie möglich für potentielle Neubürger machen und durch die anderweitige Nutzung der eigentlich früher für die Kita vorgesehenen Flächen möglichst viel Geld sparen/generieren? Es darf nicht sein, dass die Gesundheit, Wohnqualität, Wohlbefinden und der Wert der Häuser der Anwohner derart geschmälert werden um das Neubaugebiet zu optimieren oder andere Wohngebiete zu verschonen! Die auftretenden Belastungen in einer Ortschaft sollten auf alle Wohngebiete gleichermaßen aufgeteilt werden!

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Mit meiner Unterschrift ermächtige ich Winfried Lipfert, meine in diesem Formular gemachten Angaben an Personen weiterzugeben, die hinsichtlich des Sachverhalts die Entscheidungsgewalt haben.


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