Offener Brief an die Akademieleitung der ABK Stuttgart  

Sehr geehrte Frau Dr. Barbara Bader,

Sehr geehrte Frau Dr. Gaby Hermann,

Sehr geehrtes Rektorat,

Sehr geehrter Senat und Hochschulrat,

Liebe Verwaltung,

 

es reicht!

Mit diesem Schreiben wollen wir, Studierende des Fachbereichs Kunst, auf Missstände an der ABK Stuttgart aufmerksam machen und unsere Sichtweise darlegen. Wir wünschen uns einen lösungsorientierten Austausch mit Ihnen und den Beginn eines konstruktiven Dialogs.

Die Akademie gleicht im laufenden Semester einem Geisterhaus. Unsere Ateliers sind geschlossen – nicht nur aufgrund der Corona-Maßnahmen, sondern auch wegen der Schweißnähte und Schrauben, die in Ihrem Auftrag an den Fenstern gegen die Studierenden angebracht wurden. Wie kann das sein?

Natürlich können wir die aktuelle Lage und die Herausforderung, die die Corona-Krise mit sich bringt, verstehen und erkennen die Dimension Ihrer und unserer Verantwortung an. Dass Sie sich nach staatlichen Auflagen richten müssen, steht außer Frage. Dies sollte sich jedoch nicht beeinträchtigend auf die Art, den Ton und das Verständnis gegenüber uns in unserer Lage auswirken. Wir brauchen Ihre Unterstützung, nicht Ihre Bevormundung!

Künstlerische Arbeit an der Kunstakademie entsteht in enger Verbindung von Gemeinschaft, Kooperation und kritischem Diskurs. Künstlerisches Schaffen und Leben sind nicht zu trennen, weshalb wir die Akademie sowohl als Arbeits-, als auch als Lebensraum begreifen. Allerdings beobachten wir, dass sich die ABK immer weniger als ein solcher Freiraum verstehen lässt. Stattdessen sehen wir uns mit einem starren Geflecht von Regeln konfrontiert, das viele frustriert und davon abhält, sich einzubringen. Zunehmende Einschränkungen und die mangelhafte Qualität der Infrastruktur zwingen uns, andere Orte zu finden, um frei arbeiten zu können. Hierzu mögen Sachzwänge wie Sicherheitsauflagen beitragen, diese Einschränkungen werden jedoch vor allem durch Entscheidungen der Akademieleitung noch unnötig verschärft. Insbesondere die aktuellen Maßnahmen erscheinen angesichts geräumiger Ateliers in denen zwei oder mehr Personen gleichzeitig arbeiten könnten und dabei trotzdem die Abstandsregelungen einhalten würden, nicht verhältnismäßig – zumal an anderen Hochschulen Stuttgarts bereits der Seminarbetrieb wieder aufgenommen wurde. Doch an der ABK wurden erst unsere Ateliers an den Wochenenden geschlossen, dann auch werktags bereits um 20:00 Uhr. Die bis vor Kurzem an der Akademie übliche Praxis ermöglichte uns intensive Arbeitsphasen auch über Nacht und ein 24/7-Betrieb wurde sogar von der Akademieleitung selbst über mehrere Jahre angestrebt. Ist das nun vorbei?

Seit einigen Jahren spitzt sich zudem die Problematik rund um die Abschlussausstellung der Kunstabsolvent*Innen zu. Künstlerischer Praxis und physischer Präsentation scheint dabei nicht der gebührende Stellenwert eingeräumt zu werden. Die Tatsache, dass die Abschlussausstellung in dem Sinne nicht Teil der Prüfungsordnung ist und somit zweitrangig sei, verstärkt einen bürokratischen Beigeschmack, der uns das Gefühl gibt, dass künstlerisches Arbeiten nur innerhalb einer Hierarchie aus vermeintlich unverrückbaren Grenzen stattfinden darf.

Weiterhin werden Semesterbeitrag und Studiengebühren eingezogen, obwohl den meisten Studierenden der Zugang zur Akademie und den Werkstätten in diesem Semester fast unmöglich gemacht wird. Es sei erwähnt, dass Zweitstudierende 650€ und ausländische Studierende 1500€ für dieses Semester zahlen mussten.

Darüber hinaus erwecken jüngste Vorkommnisse den Eindruck, dass Fehlverhalten von Studierenden unverhältnismäßig angeprangert wird, während bei einigen Lehrenden und Verwaltungsangestellten allzu gerne weggesehen wird. Wir wünschen uns eine differenziertere Betrachtung von Einzelfällen.

Es kristallisierte sich in den letzten Wochen heraus, was sich in den vergangenen zwei Jahren bereits andeutete:

Die Einschätzung der Verwaltung über Pflichten und Praxis unsererseits und unsere tatsächlichen Lebensrealitäten klaffen um Welten auseinander. Ein Kunststudium ist mehr als nur Verwaltung und Didaktik. Werden gewisse Rituale und Umgangsformen – die seit Jahrzehnten an jeder Kunstakademie bestehen – weiter eingedämmt, besteht auch die Gefahr einen Geist zum Erlöschen zu bringen. Diese fortschreitende Verbotskultur muss aufhören! Erhalten sie einen gewissen Standard! "Malen nach Zahlen" darf nicht zum Credo werden!

In Anbetracht der schwierigen Lage, in der sich die Stuttgarter Kunst- und Kulturszene seit geraumer Zeit befindet, erachten wir es als Ihre Pflicht, die kommenden Generationen durch positive Signale zu bestärken und diese nicht durch fehlende Repräsentationsmöglichkeiten und eine Kultur des Abspeisens zu entmutigen.

Alternativen sind möglich und umsetzbar, wenn man sie will.

Deshalb stellen wir folgende Forderungen:

• Eine umgehende Öffnung der Akademie und Zugang zu den Arbeitsräumen - unter Einhaltung von Verhaltensmaßnahmen wie sie beispielsweise an der HMDK gepflegt werden. Langfristig muss endlich ein 24/7/365-Zugang zu unseren Ateliers ermöglicht werden – auch am Rundgang. Der Studierendenausweis „AKArt“ soll wie seit Jahren angekündigt als Schlüsselkarte fungieren.

• Digitaler Ausbau der ABK und Aufstockung des Rechenzentrums. Wir benötigen für unsere Arbeit und die Organisation der Lehre stabiles Internet auf dem gesamten Campus und einen zuverlässigen Email-Server.

• Eine zeitgemäße Ausstattung der Medienwerkstatt, mitunter die Anschaffung neuer Geräte. Alte Geräte müssen Instand gehalten werden und unterlassene TÜV-Prüfungen sollen umgehend nachgeholt werden, damit eine Ausleihe nicht mehr strafrechtlich verboten ist.

• Eine Sanierung und bessere Ausstattung der Ateliers und Klassenräume. Sanierung der alten Aula zu einem vernünftigen Ausstellungsraum. Eine Lösung für den Bilderhauerbau, z.B. eine Feuertreppe.

• Repräsentative Abschlussausstellungen für ALLE künstlerischen Studiengänge. Bessere Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Stuttgarter Kulturinstitutionen. Die Akademie braucht Sichtbarkeit!

• Eine zukunftsweisende Neubesetzung von Professor*Innenstellen unter Einbeziehung der Meinung von Studierenden. Darüber hinaus die Beteiligung von Studierenden im Aufnahmeverfahren und bei der Mappenauswahl.

• Mehr Transparenz in Entscheidungsprozessen. Veröffentlichung der Jurymitglieder aller Kommissionen. Keine undurchsichtige Finanzpolitik, stattdessen bessere und einfachere Kommunikation.

• Die Lehre darf nicht zu Gunsten des Verwaltungsapparats geschwächt werden. Es sollte ein Verständnis der Verwaltung für die Besonderheiten eines Kunststudiums spürbar werden.

 

Hoffnungsvoll,

Studierende der ABK Stuttgart


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