Schulöffnungen am SBBZ nur, wenn der Gesundheitsschutz gewährleistet ist.

Sehr geehrte Frau Eisenmann,  

nachdem wir im Frühjahr klare Vorgaben für den Unterricht unter Pandemiebedingungen an unserer besonderen Schulart – den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit den Förderschwerpunkten geistig und körperlich-motorische Entwicklung - vermisst haben, werden wir diesmal mit dem Schreiben vom 06.01.2021 von Ministerialdirektor Michael Föll ausdrücklich erwähnt.

Allerdings erschließt sich uns die besondere Stellung der SBBZ gEnt und kmEnt in diesem Fall nicht. Trotz des bundesweit verlängerten Lockdowns samt weiterhin geschlossener Schulen, öffnen wir am kommenden Montag mit Vollbesetzung unsere Schulen. Natürlich sehen wir viele Argumente, die dafür sprechen, dass unsere Schulen Präsenzunterricht anbieten:  

  • Wir sind nicht gerade viele. Ob unsere Schulen nun geöffnet oder geschlossen sind, führt für ganz Baden-Württemberg betrachtet vermutlich nicht zu einer enormen Erhöhung oder Reduktion von Kontakten. Wir könnten also durch eine Schulschließung vermutlich nur wenig zur Senkung des Inzidenzwertes beitragen.  
  • Die Familien unserer Schüler*innen sind noch enormeren Belastungen ausgesetzt als alle anderen Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen müssen. Denn wir wissen nur zu gut, dass viele unserer Schüler*innen keine Minute allein und unbeaufsichtigt gelassen werden können.
  • Natürlich wissen wir, dass Präsenzunterricht gerade bei unseren Schüler*innen durch nichts zu ersetzen ist. Der Unterricht an unserer Schulart ist handlungsorientiert, Lernen findet mit allen Sinnen statt, Kommunikation ist häufig gar nicht über Lautsprache, sondern nur über Mimik, Körpersprache oder unterstützende Kommunikationsformen möglich. Fernunterricht ist daher in seinen Möglichkeiten sehr beschränkt.

Und trotzdem haben wir im Sommer – wie alle anderen Schularten auch – Konzepte entwickelt, mit denen wir Fern- oder Wechselunterricht anbieten können, um auch bei Schulschließungen weiterhin ein gutes Angebot für unsere Schüler*innen bieten zu können. Es gibt viele Argumente für den Präsenzunterricht an unserer Schulart. Allerdings gibt es auch viele Argumente dagegen. Die aktuelle Ausnahmeregelung für unsere Schulart erweckt bei uns den Eindruck, dass Sie nicht genau wissen, welche besonderen Voraussetzungen gerade an unserer Schulart zu berücksichtigen sind. Wir möchten Sie daher mit diesem Schreiben darauf aufmerksam machen, unter welchen Bedingungen wir arbeiten. 

Im Frühjahr und Sommer haben wir viele Schreiben aus Ihrem Ministerium erhalten, in denen dargestellt wird, welche Regeln in Schulen einzuhalten sind, um den Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Viele dieser Regeln lassen sich aber nur begrenzt umsetzen an unserer Schulart.

Die Einhaltung der Hygieneregeln gestaltet sich an unserer Schulart als fast unmöglich. Abstand zu den Schüler*innen zu halten ist bei Pflegetätigkeiten (Wickeln, Essen reichen, An-und Ausziehen) natürlich nicht möglich. Im Gegensatz zu Pflegekräften im Krankenhaus, steht uns dafür aber keine entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung. Auch der Unterricht erfordert an vielen Stellen die direkte, körpernahe Zuwendung, z.B. weil Tätigkeiten mit Handführung durchgeführt werden. Die Regeln beim Husten oder Niesen einzuhalten, oder das Händewaschen, können viele unserer Schüler*innen nur mit Hilfestellung.

Wir tragen natürlich Masken – die ausgegebenen, möglicherweise ungeeigneten FFP2-Masken oder eben selbstgenähte Alltagsmasken. Viele unsere Schüler*innen können keine Masken tragen. Wir arbeiten also den ganzen Tag ohne Abstand und können uns selbst vor einer Infektion kaum schützen und dann natürlich auch nicht gewährleisten, dass wir das Virus nicht weitergeben.  

Wir unterrichten kleinere Lerngruppen, aber natürlich ist die Größe unserer Klassenzimmer diesen kleineren Lerngruppen angepasst. Mit Schulbegleitungen und mehreren Lehrkräften in einer Klasse, ist so auch das Abstandhalten zu den anderen Erwachsenen in der Regel nicht möglich.  

Wir möchten möglichst konstante Gruppenzusammensetzungen unterrichten, nicht nur um im Infektionsfall wenige Schüler*innen in Quarantäne schicken zu müssen, sondern vor allem, um möglichst viele weitere Infektionen zu verhindern. Dazu haben wir - wie vermutlich alle anderen Schularten auch – Kohorten gebildet, getrennte Pausen- und Essenszeiten eingeführt, die Wegeführung optimiert, klassenübergreifende Lernangebote ausgesetzt, Lehrkräfte möglichst nur in einer Klasse eingesetzt.

Die schulinterne Kohortenbildung wird allerdings täglich durch die Zusammensetzung im Schulbus ad absurdum geführt. Dort sitzen die Kinder teilweise länger als 30 Minuten neben Schüler*innen aus anderen Kohorten – die teilweise aufgrund ihrer Behinderung keine Maske tragen können. Mit den für die Schülerbeförderung Zuständigen konnten nur bedingt Kompromisse, aber selten zufriedenstellende Lösungen gefunden werden.  

Am schwierigsten für uns ist es aber, dass unsere Schüler*innen zur Risikogruppe gehören. Viele Schüler*innen haben Vorerkrankungen und internationale Studien zum besonderen Risiko bei Menschen mit Behinderungen lassen uns immer wieder aufhorchen (vgl. z.B. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/117733/COVID-19-Extrem-hohes-Sterberisiko-von-Menschen-mit-Trisomie-21).

In der Impfstrategie wurde dies zum Glück bereits berücksichtigt und Menschen mit geistiger Behinderung werden bereits in Gruppe 2 geimpft. Ob wir selbst zur Gruppe der Lehrkräfte (Gruppe 4) gehören oder als enge Kontaktpersonen von Menschen mit geistigen Behinderungen schon früher geimpft werden, ist uns noch nicht klar.  

Die meisten unserer Schüler*innen haben Einschränkungen im Bereich der Kommunikation. Sie können also nur schwer von Krankheitssymptomen berichten und werden daher vermutlich erst deutlich später als andere Menschen zum Arzt gebracht oder getestet.

  • Wir unterrichten also täglich Kinder und Jugendliche, die ganz besonders vor Corona geschützt werden müssen.
  • Wir begegnen diesen Kindern nicht mit Abstand, sondern arbeiten körpernah mit ihnen.
  • Die Hygieneregeln können die meisten unserer Schüler*innen nicht selbstständig einhalten.  

Die Ausnahmeregelung, die Sie für unsere Schulart getroffen haben, scheint all dies außer Acht zu lassen.  

Wie können wir täglich in die Schule gehen, ohne in permanenter Sorge zu leben, uns in der Schule mit dem Virus zu infizieren und es an andere Schüler*innen weiterzugeben?

Wir leben und arbeiten in Stadt- und Landkreisen, die teilweise immer noch erschreckend hohe Inzidenzwerte haben – obwohl die aktuell ja kaum bewertbar sind. Die Gefahr infiziert zu sein, ist also kein unwahrscheinliches Szenario.  

Die aktuellen Maßnahmen scheinen nicht ausreichend für eine schnelle Senkung der Fallzahlen. Wir brauchen also Konzepte, mit denen wir die nächsten Wochen und Monate arbeiten können – letztlich bis wir und unsere Schüler*innen geimpft sind.

  • Dazu brauchen wir dringend Schutzausrüstung, mit der wir uns selbst vor einer Infektion schützen können, um zu verhindern, unsere Schüler*innen zu infizieren.
  • Wir brauchen Schnelltest, um frühzeitig Infektionen erkennen zu können.·
  • Wir brauchen dringend die Beförderung in Kohorten, um eine weite Verbreitung des Virus im Falle einer Infektion zu verhindern.
  • Wir brauchen dringend die Möglichkeit Wechselunterricht anzubieten, wenn die Inzidenzwerte in unseren Stadt- und Landkreisen so hoch sind, dass die Kontaktnachverfolgung den Gesundheitsämtern nicht gelingt.
  • Wir müssen so schnell wie möglich geimpft werden. 

Wir möchten unserem eigenen Anspruch an Bildung und Unterricht wieder gerecht werden. Das können wir aber nur, wenn wir unter Bedingungen arbeiten können, die der Pandemie und unserer besonderen Schülerschaft gerecht werden.   


Nina Fröhlich (SBBZ gENT), Andreas Grandić (SBBZ GENT), Markus Knab (SBBZ KMENT), Elvira Götze (SBBZ GENT), Christine Hildenbrand (SBBZ GENT)    Verfasser der Petition kontaktieren

Unterschreibe diese Petition

Mit meiner Unterschrift ermächtige ich Nina Fröhlich (SBBZ gENT), Andreas Grandić (SBBZ GENT), Markus Knab (SBBZ KMENT), Elvira Götze (SBBZ GENT), Christine Hildenbrand (SBBZ GENT), meine Unterschrift an Personen weiterzugeben, die hinsichtlich des Sachverhalts die Entscheidungsgewalt haben.


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