Prüfungsmodalitäten der Klausuren des WS 20/21 an der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität

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Die Klausuren aller Jahrgänge wurden im WS 2020/2021 an der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität aufgrund der aktuellen Pandemie vom Ende des Semesters auf den Beginn des kommenden Semesters verlegt. Nun wurden auf dem Schwarzen Brett unserer Fakultät die Termine der einzelnen Klausuren sowie die Information, dass alle Prüfungen online über Moodle stattfinden sollen, veröffentlicht.

Offizielle Informationen zu den genauen Prüfungsmodalitäten wurden bis heute (17.03.2021) noch nicht veröffentlicht, sollen aber in den nächsten Tagen folgen. Verschiedenen VertreterInnen des Fachschaftsrates und einzelnen anderen Studierenden wurde in verschiedenen Gesprächen die aktuelle Planung bereits mitgeteilt. Demnach sollen für die geplanten Moodle-Klausuren, die bereits ab dem 12.04. beginnen, folgende Modalitäten gelten:

 

  • Die einzelnen Klausurfragen einer jeden Klausur sowie die Antwortmöglichkeiten werden für jeden Prüfungsteilnehmer individuell durchgemischt.

 

  • Ein „Vor- und Zurückklicken“ während einer Klausur soll nicht mehr möglich sein. Man muss die Fragen in der Reihenfolge bearbeiten, in der sie angezeigt werden. Wenn man zur nächsten Frage weiter klickt, wird die vorherige Frage bereits final abgegeben. Die von vielen Studierenden angewandte Kreuztechnik, die eher komplizierten Fragen zunächst zu überspringen, um sich am Ende der Klausur nochmal mehr Zeit dafür zu nehmen, ist somit nicht mehr möglich.

 

  • Die Zeit zur Bearbeitung der Klausur können die Studierenden frei auf die einzelnen Fragen aufteilen, allerdings wird die Bearbeitungszeit pro Frage von bisher üblichen 90 Sekunden auf 60 Sekunden verringert. Da ein Zurückklicken, wie oben beschrieben, nun nicht mehr möglich ist, ist man somit gezwungen, ab der ersten Frage einer jeden Klausur maximal 60 Sekunden pro Frage einzuplanen, da man ja nicht voraussehen kann, ob die folgenden Fragen eher schwieriger oder eher leichter sein werden. In Ausnahmefällen soll für einzelne Fragen, die beispielsweise einen längeren Fragetext haben oder deren Bearbeitung komplexe Denkprozesse beansprucht, zusätzliche Bearbeitungszeit genehmigt werden.

 

Die Mehrfachbelastung für uns Studierende durch diese neuen Regeln wird vom Fachschaftsrat Medizin sehr kritisch gesehen. Uns wurde mitgeteilt, dass diese Maßnahmen getroffen wurden, um ein massenhaftes Schummeln zu verhindern. Schon bei der Verschiebung der Klausuren vor zwei Monaten wurde uns gegenüber in vielen Gesprächen betont, dass man bei allen Maßnahmen an die fairen Studierenden denke, die nicht betrügen, und für diese Menschen keine Nachteile verursachen wolle.

Nun geschieht aber genau das: Alle Studierenden unserer Fakultät werden unter Generalverdacht gestellt, während der Klausuren unerlaubte Hilfsmittel verwenden zu wollen. An dieser Prämisse orientiert wird gleich an mehreren Stellschrauben gleichzeitig gedreht. Im Endergebnis resultieren Prüfungsmodalitäten, die für wirklich alle Studierenden von Nachteil sind. Übliche Kreuzstrategien, die sich viele von uns in diesem Studium angeeignet haben, können nicht mehr angewandt werden. Zusätzlich wird der Druck erhöht, indem man pauschal die Bearbeitungszeit um einen Drittel verringert.

Wir sehen, dass aus der Häufung dieser einzelnen Maßnahmen ein kollektiver Nachteil für uns Studierende im Vergleich zu vorherigen Jahrgängen resultiert. Die Klausurfragen, die wir in wenigen Wochen absolvieren wollen, wurden zu Beginn des letzten Semesters unter ganz anderen Voraussetzungen formuliert. Jetzt all diese zusätzlichen Maßnahmen auf die Klausuren anzuwenden, die entsprechend der bisher üblichen Klausurbedingungen gestellt wurden, bringt zwangsläufig Nachteile für uns mit sich.

Es stimmt, dass wir in vergangenen Klausurphasen die Erfahrung gemacht haben, dass viele PrüfungsteilnehmerInnen nicht die gesamte Prüfungszeit nutzen und ihre Klausuren früher abgeben. Dennoch gibt es genug Studierende in fast jeder Klausur, die durchaus die gesamte Bearbeitungszeit nutzen. Zudem haben uns in den letzten Tagen KommilitonInnen erreicht, die aus medizinischen Gründen mehr Zeit für die Beantwortung schriftlicher Fragen benötigen, aber bisher auf die individuelle Beantragung zusätzlicher Bearbeitungszeit verzichtet haben, unter anderem um eine Stigmatisierung ihrer Erkrankung zu vermeiden. Diese Studierenden berichten uns, dass ihnen die bisherige Bearbeitungszeit von 90 Sekunden gerade ausreichte. Dass sich in diesem Zusammenhang nur an dem Anteil der Studierenden ohne medizinische Einschränkungen orientiert wird, stellt eine zusätzliche Belastung für unsere KommilitonInnen mit Behinderungen und anderen chronischen Erkrankungen dar.

Wir bitten auch zu bedenken, dass die Plattform Moodle, auf der die Online-Klausuren stattfinden sollen, nicht immer als ein stabiles System bekannt ist und wir aus Erfahrungen aus vergangenen Semestern wissen, dass man mit längeren Ladezeiten beim Weiterklicken auf die nächste Frage rechnen muss. Hier sollte den Studierenden klar an die Hand gegeben werden, wie sie im Falle von Internetschwierigkeiten vorgehen sollten und wie die verlorene Bearbeitungszeit ausgeglichen wird.

Wir verstehen, dass Maßnahmen beschlossen wurden, die Täuschungsversuche möglichst verringern sollen. Die kollektive Benachteiligung aller Studierenden durch gleich mehrere gleichzeitig eingeführte Maßnahmen empfinden wir aber als eine extreme Zusatzbelastung. Wenn aufgrund der neuen Regelung einzelne Klausurfragen bei der ersten Bearbeitung final beantwortet werden müssen und ein späteres Überarbeiten nicht mehr möglich ist, benötigt man eher mehr Zeit und nicht weniger. Eine Reduktion der Bearbeitungszeit um ein Drittel stellt eine drastische Einschränkung dar. Wir bitten daher um ein kritisches Hinterfragen der Reduktion der Bearbeitungszeit im Allgemeinen, sowie insbesondere im Hinblick auf anspruchsvollere Fragen.

Wir vom Fachschaftsrat Medizin haben dieses Schreiben aufgrund mehrfacher Anfragen vonseiten unserer KommilitonInnen verfasst und bitten alle Betroffenen hiermit darum, diese Petition zu unterstützen, um den Verantwortlichen die Dringlichkeit dieser Thematik deutlich zu machen.

Wir bitten die Verantwortlichen hiermit um einen konstruktiven Dialog in dieser Sache, um eine angemessene Lösung zu finden.

Betonen möchten wir, dass vom Großteil unserer KommilitonInnen die Rückmeldung kam, dass sie die Klausuren sobald wie möglich absolvieren möchten, um mit dem Semester abschließen und im Studium weiterkommen zu können. Daher begrüßen wir die Bemühungen des Prüfungsbüros, des ZML sowie der Verantwortlichen der einzelnen Fächer sehr, uns die aktuellen Prüfungen zu Beginn des kommenden Semesters zu ermöglichen.

Bitte stellen Sie uns nicht alle unter Generalverdacht. Dies sind schwierige Zeiten für uns alle, die wir aber mit Ihnen gemeinsam erfolgreich und gesund bewältigen möchten.

Mit freundlichen Grüßen
und bleiben Sie gesund!

Die Medizinstudierenden der Ruhr-Universität Bochum


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