Offener Brief an WDR-Intendanten Tom Buhrow

Verfasser der Petition kontaktieren

Letzte Aufforderung an WDR die offenen Fragen zu beantworten

2017-07-20 08:12:31

Sehr geehrter Herr Kremin,  

im Internet findet sich der „Rückblick“ auf die Sitzung am 30. Juni. Dabei handelt es sich wohl nicht um das Protokoll. Auf dieses wartet eine wachsende Zahl an Interessenten mit wachsender Ungeduld.  

Bis zur nächsten Sitzung des Rundfunkrates und damit bis zur Genehmigung des Protokolls vergehen sechs weitere Wochen. Zu lange vor dem Hintergrund Ihrer immer deutlicher werdenden Verzögerung.  

Den Status des sich abzeichnenden Skandals fasse ich nachfolgend zusammen:  

Sie schreiben in Ihrer Mail am 4. Juli:  

„Dass diese [die Doku] nicht wie geplant gesendet werden konnte, ist in der Tat bedauerlich. Sie beschreiben unser Vorgehen diesbezüglich als „vor allem intransparent“. Das ist insofern für mich nicht ganz nachvollziehbar, als wir ja gerade durch die zweifellos ungewöhnliche Form der Veröffentlichung unsere Beweggründe und unsere journalistischen Beanstandungen transparent gemacht haben.“  

Die Ausstrahlung durch den WDR war jedoch nicht geplant. Vielmehr wurde über Wochen fälschlicherweise behauptet, der WDR besäße kein Ausstrahlungsrecht. Lediglich der Stream auf Bild.de und der öffentliche Druck zwangen den WDR seine fragwürdig kommentierte Fassung der Doku zu senden. Wissentlich falsche Äußerungen eines öffentlich-rechtlichen Senders können zu Recht nicht hingenommen werden und verlangen eine gründliche Suche nach den Verantwortlichen. In diesem Kontext ist zu klären, ob Sie unmittelbar persönlich für diese Täuschung der Öffentlichkeit verantwortlich sind oder die Täuschung billigend in Kauf nahmen. Die Ihnen vorgeworfene Intransparenz begründet sich zudem auf die Tatsache, dass der WDR zu entscheidenden Fragen keine klaren Antworten liefert – dazu nun mehr.  

Sie schreiben weiter:  

„Wie Sie wissen, hat es zahlreiche handwerkliche und teils rechtlich relevante Mängel gegeben. Das war das Ergebnis einer zeitlich begrenzten Überprüfung durch ein Team von internen und externen Rechercheuren, zu denen Journalisten, Juristen und Fachexperten gehörten.“  

Die namentliche Benennung der Teammitglieder, Kriterien der Auswahl und Begründung der jeweiligen Fachkompetenz gehört zum Fokus des öffentlichen Interesses. Jeder weitere Versuch einer Anonymisierung erhärtet den Verdacht auf formalrechtlich inakzeptables und moralisch verwerfliches Verhalten.  

Weiter schreiben Sie:  

„Deshalb haben wir im Ergebnis den Weg einer kommentierten Fassung gewählt. So haben wir es dem Publikum ermöglicht, sich ein eigenes Bild zu machen.“   Damit werfen Sie zusätzlich die Frage nach dem Urheberrecht der Produzenten auf, die ebenfalls nach einer klaren Antwort verlangt.  

Und Sie fahren fort:  

„Auf der anderen Seite wird unsere Arbeit, anders als etwa die von Zeitungsverlagen, von Beitragszahler/innen und damit von der Öffentlichkeit finanziert. Deshalb haben wir etwa im Zusammenhang mit der Diskussion über diese Dokumentation auch Dinge kommuniziert, die ein privater Sender oder Verlag nicht kommunizieren würde, nämlich, dass wir unabhängig von diesem Film weitere Projekte zu diesem Thema planen. Und, auch das hatten Sie angesprochen, dass der WDR über die ganze Zeit in Kontakt mit dem Produzenten stand. Das allerdings ist selbstverständlich und wird Sie wohl auch nicht überraschen.“   Den „Kontakt“ haben Sie erwähnt, eine sachdienliche Konkretisierung bisher verweigert. Wir können uns auch hierbei von einem wachsenden Verdacht nicht freisprechen.  

Sie werden vor diesem Hintergrund nachvollziehen können, dass wir hiermit letztmalig um Beantwortung nachfolgender Fragen bis zum 03.08.2017 ersuchen.  

1. Wann fand Kommunikation mit den Produzenten statt?

2. Was waren die Inhalte der Kommunikation?

3. Welche Personen waren Mitglieder des „Expertengremiums“ / „Rechercheteams“ und haben den Faktencheck zu verantworten?

4. Welche Anfragen von anderen Sendern bestehen für Ausstrahlungsrechte an der Doku?

5. Wer ist verantwortlich für die Täuschung der Öffentlichkeit hinsichtlich der vermeintlich nichtexistierenden Ausstrahlungsrechte?  

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Oren Osterer


Oren | DEIN e.V. - Verein für Demokratie und Information

Weitere Kommunikation mit dem WDR

2017-07-19 10:02:52

Liebe Mitunterzeichner*innen,

nachdem unsere Antwortmail vom 4. Juli unbeantwortet blieb, setzen wir am 11. juli nohcmal nach. Eine weitere Woche später meldet sich der WDR wieder. Die Schreiben könnt Ihr unten lesen. Unsere Konsequenz: Das nette Frage-Antwort-Spiel weicht nun einem direkteren Ton. Dazu bald mehr.

Oren

 

Email vom 11. Juli an Hr. Kremin:

Sehr geehrter Herr Kremin,  

nun ist schon weit mehr als eine Woche vergangen seit der öffentlichen Sitzung der Rundfunkrates – wir warten weiterhin geduldig auf das Protokoll des Sitzung.  

In der Zwischenzeit bitte ich nochmals um Beantwortung der Frage nach den Sendern, die an den Ausstrahlungsrechten für die Doku interessiert sind.   Alles Weitere folgt dann.  

Dr. Oren Osterer

 

Email vom 18. Juli von Hr. Kremin:

Sehr geehrter Herr Dr. Osterer,

Protokolle der öffentlichen Sitzungen des WDR-Rundfunkrats werden in der Regel in der Folgesitzung des Rundfunkrats genehmigt und anschließend von diesem als Ergebnisprotokoll unter wdr-rundfunkrat.de veröffentlicht. Die nächste Sitzung des Rundfunkrats ist für den 31. August 2017 vorgesehen.  

Zu Ihrer weiteren Frage bitte ich Sie um Verständnis, dass wir grundsätzlich keine Angaben zu möglichen vertragsrelevanten internen Vorgängen machen.   Mit freundlichen Grüßen  

Matthias Kremin

Leitung

 


Oren | DEIN e.V. - Verein für Demokratie und Information

Das Antwortschreiben an den WDR

2017-07-04 19:04:03

Sehr geehrter Herr Kremin,   i

Ihr Schreiben haben wir zur Kenntnis genommen und alle Mitunterzeichner*innen darüber informiert.  

Geduldig warten wir noch auf das offizielle Protokoll der Rundfunkratssitzung.  

Unser Verständnis für interne Aufarbeitung und Abschluss hält sich in Grenzen.  

Bitte teilen Sie noch mit, welche Sender die Ausstrahlungsrechte für die Doku erwerben möchten.  

Dr. Oren Osterer


Oren | DEIN e.V. - Verein für Demokratie und Information

Antwortschreiben des WDR

2017-07-04 18:41:07

Liebe Mitunterzeichner*innen,

WDR-Intendant lässt uns eine Antwort zukommen, s. unten. Diese ist an entscheidenden Stellen sehr unbefriedigend.

Wir warten jetzt das offizielle Protokoll der Sitzung des Rundfunkrates vom vergangenen Freitag ab. Das teilen wir auch dem WDR so mit. 

Oren

DEIN e.V. - Verein für Demokratie und Information

___

Sehr geehrter Herr Dr. Osterer, sehr geehrte Mitunterzeichnerinnen und Mitunterzeichner,  

vielen Dank für Ihren Offenen Brief vom 30. Juni, in dem Sie konkrete Fragen zum Umgang mit der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“ stellen. Intendant Tom Buhrow, an den Sie das Schreiben gerichtet hatten, bat mich, Ihnen zu antworten – dem komme ich hiermit gerne nach.  

Lassen Sie mich zunächst noch einmal sehr deutlich machen: Es ist uns ein wichtiges Anliegen, über Antisemitismus in all seinen beunruhigenden Facetten zu berichten. In diesem Sinne haben wir die in Rede stehende Dokumentation seinerzeit ARTE vorgeschlagen und beauftragt.  

Dass diese nicht wie geplant gesendet werden konnte, ist in der Tat bedauerlich. Sie beschreiben unser Vorgehen diesbezüglich als „vor allem intransparent“. Das ist insofern für mich nicht ganz nachvollziehbar, als wir ja gerade durch die zweifellos ungewöhnliche Form der Veröffentlichung unsere Beweggründe und unsere journalistischen Beanstandungen transparent gemacht haben.  

Wie Sie wissen, hat es zahlreiche handwerkliche und teils rechtlich relevante Mängel gegeben. Das war das Ergebnis einer zeitlich begrenzten Überprüfung durch ein Team von internen und externen Rechercheuren, zu denen Journalisten, Juristen und Fachexperten gehörten.

Es gibt diesbezüglich nicht nur im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk journalistische und handwerkliche Standards, die eingehalten werden müssen, weil die Berichterstattung andernfalls justiziabel ist. So waren etwa durch den Film Persönlichkeitsrechte verletzt worden. Zudem ist die Prüfung von Quellen und Behauptungen unserer Ansicht nach an verschiedenen Stellen nicht ausreichend erfolgt und konnte auf Nachfrage auch nicht entsprechend nachvollzogen werden.  

Der Produzent selbst hat, zum Teil auf unseren ausdrücklichen Wunsch hin, an insgesamt acht Stellen nachgebessert. Nicht in allen Fällen war dies jedoch auch in rechtlicher Hinsicht ausreichend. Ein Film, bei dem wir so viele große wie kleine, aber grundlegende handwerkliche Unsauberkeiten feststellen, lässt sich auch nicht innerhalb kurzer Zeit grundlegend überarbeiten. Deshalb haben wir im Ergebnis den Weg einer kommentierten Fassung gewählt. So haben wir es dem Publikum ermöglicht, sich ein eigenes Bild zu machen.  

Was Ihre weiteren Fragen angeht, möchte ich Ihnen deutlich machen, dass unsere Arbeit als öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt in einem natürlichen Spannungsfeld stattfindet. Auf der einen Seite muss journalistische Arbeit im vertraulichen und geschützten Raum stattfinden. Es ist das Wesen von Journalismus, dass nur das Endprodukt einer redaktionellen Beratung und Recherche durch Veröffentlichung bekannt wird. Alle Erkenntnisse und internen Überlegungen bis zu diesem Punkt unterliegen dem besonderen Schutz des Redaktionsgeheimnisses. Ohne einen solchen Raum des Vertrauens wäre die Presse- und Rundfunkfreiheit nicht gewährleistet.  

Auf der anderen Seite wird unsere Arbeit, anders als etwa die von Zeitungsverlagen, von Beitragszahler/innen und damit von der Öffentlichkeit finanziert. Deshalb haben wir etwa im Zusammenhang mit der Diskussion über diese Dokumentation auch Dinge kommuniziert, die ein privater Sender oder Verlag nicht kommunizieren würde, nämlich, dass wir unabhängig von diesem Film weitere Projekte zu diesem Thema planen. Und, auch das hatten Sie angesprochen, dass der WDR über die ganze Zeit in Kontakt mit dem Produzenten stand. Das allerdings ist selbstverständlich und wird Sie wohl auch nicht überraschen.  

Ich hoffe, ich konnte Ihnen unsere Beweggründe und Entscheidungswege damit nochmals nachvollziehbar verdeutlichen – und bitte um Ihr Verständnis, dass wir den Vorgang im Folgenden nun intern aufarbeiten und abschließen.  

 

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Kremin

Leitung Hauptabteilung Kultur und Wissenschaft

Appellhofplatz 1 50667 Köln

matthias.kremin@wdr.de www.wdr.de


Oren | DEIN e.V. - Verein für Demokratie und Information



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