DAS MANIFEST DES HUMANISTISCHEN CHRISTENTUMS

An den estnischen Rat der Kirchen,

an alle Kirchen und Kirchengemeinden in Estland

DAS MANIFEST DES HUMANISTISCHEN CHRISTENTUMS

 

In der estnischen Gesellschaft ist der Wunsch nach einer stärkeren Demokratie, mehr Offenheit und Toleranz deutlich erkennbar. Wir unterstützen diese Bestrebung, aber beobachten gleichzeitig, dass in einigen Kirchen in Estland eine Gegenentwicklung stattfindet, die Autorität, Engstirnigkeit  und Intoleranz nach sich ziehen. Man versucht darzustellen, dass die christliche Lehre im Kontrast zu menschlichen Werten in der Gesellschaft steht. Wir verstehen das als einen Ausdruck der Angst vor Veränderungen, die in der estnischen Gesellschaft stattfinden. Wir sind überzeugt, dass solche Haltungen die Gesellschaft nicht verbessern können und auch das Leben der Kirchen negativ beeinflussen.

 

Wir sind überzeugt, dass die christliche Botschaft gleichzeitig auch humanistisch ist, da laut der Schöpfungsgeschichte der Bibel Gott den Menschen nach seinem Bild schuf (Gen 1,27) und dem Menschen dadurch eine besondere Würde gegeben hat. Der Humanismus anerkennt diese besondere Würde des Menschen. Das humanistische Christentum widersetzt sich solchen Formen des Christentums, die dem Menschen das Recht auf eigene Entscheidungen und der Eigenverantwortung aberkennen; die einen blinden Gehorsam der (von den) kirchlichen Autoritäten fordern und die die Demokratie durch ein totalitäres System ersetzen wollen. Wir bedauern zutiefst, dass ein Teil der Geistlichen solche Formen des Christentums den anderen Mitgliedern der Kirche aufdrückt und damit eine Meinungsvielheit in der Kirche zu zerstören versucht. Wir verurteilen die Hassrede gegenüber religiösen-, ethnischen- und sexuellen Minderheiten, die sich in den Kirchen verbreitet, ebenso deren Rechtfertigung  durch die Bibel.

 

Wir fordern, dass die Kirche nicht nostalgisch auf die Vergangenheit zurückblickt, sondern dass sie sich auf die Realität der Gegenwart konzentriert und auch der  Zukunft angemessen entgegenblickt. Wir fordern, dass die  Kirche sich zeitgemäß, demokratisch und offen darstellt. Wir erbitten uns, dass die Kirche  sich für den Einzelnen einsetzt  und  den Menschen als Persönlichkeit wertschätzt. Wir fordern, dass die Kirche größeren Wert auf Bildung und Wissenschaft legt und dass sie die Weiterentwicklung menschlichen Denkens und den Fortschritt in der wissenschaftlichen Theologie akzeptiert, dass Kirche bereit ist mit der Gesellschaft  einen Dialog einzugehen, ohne für sich die alleinige Wahrheit zu beanspruchen. Wir fordern, dass die Kirche eine geistige und geistliche Vielfalt innerhalb ihrer selbst wertschätzt. Wir fordern, dass sie eine geistliche Heimat für alle wird, die sie brauchen, ohne irgendeine Gruppe von Menschen auszuschließen.

 

Wir stellen unsere Vision von der Kirche in folgenden Thesen vor:

 

1) Es muss unterschieden werden zwischen der Kirche als Gesamtheit aller Christen, die sich auf Jesus Christus beruft, und den Kirchen als Institution. Die Kirchen als Institution  sind weltlich und  menschlich und unterliegen somit denselben Gesetzen wie andere Organisationen. Wir sind nicht einverstanden mit dem sakralen Charakter der Kirche als Insitution.

2) Die Kirche als Institution hat zu allererst die Aufgabe, das geistliches Wachsen ihrer Mitglieder zu unterstützen. Die Kirche rechtfertigt sich nur dann, wenn sie diese Aufgabe erfüllen kann.

3)  Innerhalb  der Kirche als Institution muss Meinungsfreiheit und die Viellfalt des Denkens möglich sein. Jedes Mitglied der Kirche muss das Recht aber auch die Pflicht auf freie Meinungsäußerung haben, bezüglich der Gesetzgebung und der Führungsebene der Kirche.

4) Obwohl wir die Bibel als Offenbarung Gottes betrachten, sind wir davon überzeugt, dass die Offenbarung durch unsere menschliche Sprache, durch die Kultur und des Weltbildes der Vergangenheit vermittelt worden ist und dass die Bibel deswegen im historischen Kontext betrachtet werden muss. Wir sind nicht einverstanden mit der fundamentalistischen Schriftauslegung, die den historischen Kontext der Bibel ignoriert und sehr selektiv einige Bibelstellen nach ihrer Wahl im wortwörtlichen Sinn benutzt. Auch die Lehre der Kirche, die die Bibel auslegt, muss man im historischem Kontext betrachten. Für uns ist es sehr wichtig, zwischen dem Göttlichen und Ewigen und Menschlichen, d.h. aus dem Kultur- und Zeitbedingten zu unterscheiden.

5) Die christliche Botschaft, die intellektuell redlich sein will, muss im Zusammenhang mit den Veränderungen im Weltbild, im Denken und in der Gesellschaft gesehen werden.

6) Alle Menschen sind in der Kirche ganz herzlich eingeladen – ohne Ansehen des Geschlechts, der Bildung, der gesellschaftlichen Position, körperlicher oder geistiger Behinderung, Gesundheitszustand, sexueller Orientierung und Identität, Nationalität und  kulturellem Hintergrund.

 

Wir glauben, dass die Stärke der Kirche in der geistlichen ung geistigen Vielfalt besteht. Wir wollen, dass diese Vielfalt erhalten bleibt und weiter wachsen kann. Wir möchten mit einer Diskussion über die Rolle und Möglichkeiten der Kirche in der estnischen Gesellschaft am Anfang des 21. Jahrhunderts beginnen und wünschen, dass diese Diskussion öffentlich mit einer breiten Basis geführt werden kann.

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